![]() ![]() ![]() ![]() | Die Stadt Cham hat mit der belgischen Gemeinde Zele seit Samstag einen neuen Partner unter den Städten Europas. Um die Städtepartnerschaft offiziell zu besiegeln, war eine 26-köpfige Delegation nach Zele gereist. Offen, warm und herzlich war die Begegnung der Chamer mit vielen langjährigen, aber auch mit neuen belgischen Freunden.
Erste Bürgermeisterin Karin Bucher erinnerte in ihrer Rede beim feierlichen Festakt an den Überfall Deutschlands auf Belgien im Jahr 1940. „Dies ist nun fast ein ganzes Menschenleben her und wir müssen dafür Sorge tragen, dass so etwas nicht mehr passieren kann.“ Man dürfe die Völkerverständigung nicht nur den Regierungen überlassen, sondern müsse als Bürger Europas auch selbst um diese bemüht sein.
Ihr Zeler Amtskollege Bürgermeister Patrick Poppe forderte die Anwesenden auf: „Lasst uns diese Städtepartnerschaft als Möglichkeit sehen, an der Geschichte Europas ein Stück weit mitzuschreiben.“ Die Stadtoberhäupter waren sich einig, dass sich die Menschen in Europa besser kennen lernen und Freundschaften schließen sollten. Poppe wies darauf hin, Städtepartnerschaften seien immer Geschichten von Menschen. Dies treffe ganz besonders auf die von Cham und Zele zu.
Angefangen hatte alles 1973 beim Europakongress ehemaliger Maristenschüler in Zele. Schon damals entwickelten sich Kontakte, die bis heute fortbestehen. Nach so vielen Jahren des regelmäßigen Austausches wurde die Partnerschaft nun auch offiziell besiegelt. Im Text der beiden Partnerschaftsurkunden heißt es, man sei davon überzeugt, die Freundschaft zwischen den Bürgern führe zu einer gegenseitigen Bereicherung. Die Schriftstücke aus Ziegenleder gestaltete die in Belgien sehr bekannte Kalligrafin Joke van den Brandt.
Im Anschluss an den Festakt wurden die Chamer vor dem Rathaus von zahlreichen Zelern empfangen. Die Tanzgruppe „Koreo Piko“, die übrigens schon mehrmals Cham besucht hat und hier auch aufgetreten ist, zeigte ihr Können, ehe die Chamer mit belgischem Bier und besonderen Pralinen verwöhnt wurden. Tom D’hooge, Pralinier aus Zele, hatte die Köstlichkeiten aus Schokolade extra für diesen besonderen Tag kreiert.
Bei einer Stadtrundfahrt durch Zele bekam man einen Eindruck von der Partnerstadt. Im Städtedreieck Antwerpen-Gent-Brüssel gelegen, ist die Gemeinde mit gut 20.000 Einwohnern etwas größer als Cham. Beim Besuch im Museum „Zeels Eerfgoed“ erfuhr die Delegation von der Geschichte der Stadt, die eng mit der Flachsproduktion und der Textilindustrie verwoben ist. Nicht umsonst zeigt das Zeler Stadtwappen zwei gekreuzte Flachsrechen.
Nach einem weiteren Empfang am Sonntag bei den Zeler Maristen, mit denen vor 37 Jahren alles begonnen hatte, traten die Chamer ihre elfstündige Heimreise an.
Cham und Zele möchten die Partnerschaft auf eine breite Basis stellen. Die Kontakte sollen nicht nur zwischen beiden Verwaltungen bestehen, sondern auch zwischen Vereinen. Um es mit den Worten von Bürgermeister Poppe zu sagen: Chamer können sich in der neuen Partnerstadt Zele ein Stückchen wie zu Hause fühlen. |
Haben Sie oder Ihr Verein Interesse, sich mit gleich Gesinnten auf belgischer Seite auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen? Dann melden Sie sich bitte bei der Stadt Cham, Frau Sigrid Stebe-Hoffmann (Tel. 09971/8579-13 oder E-Mail: sigrid.stebe-hoffmann@cham.de).
Wir sind gerne bei der Vermittlung behilflich und würden uns über Ihre Anfrage freuen!
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Partnerschaft mit Herz und Zele - ein Reisebericht
Als der Bus aus Cham am Freitag Nachmittag die Grenze nach Belgien passierte, riss die düstere Wolkendecke auf und strahlender Sonnenschein begleitete die Reisenden aus der Oberpfalz bis zum Ziel. Und das war die Gemeinde Zele in der Provinz Ostflandern – die neue Partnerstadt der Chamer. Rückblickend darf man die Wetterlage als ersten Fingerzeig deuten auf einen Empfang und eine Gastfreundschaft, wie sie herzlicher und wärmer nicht ausfallen konnten. Eine Partnerschaft mit Herz und Zele (wird „Seele“ ausgesprochen) eben.
26 Chamer, allen voran Bürgermeisterin Karin Bucher und Sigrid Stebe-Hoffmann, die für die Reiseorganisation verantwortlich zeichnete, hatten sich letzten Freitag in aller Herrgottsfrühe mit einem Bus des Reiseunternehmens Baumgartner auf den Weg nach Belgien gemacht. Mit dabei waren neben Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrates auch Mitglieder des Fördervereins Freunde der Maristen-Realschule, eine Abordnung der Kolpingmusik sowie weitere Vereinsvertreter. Der Weg hin zur offiziellen Partnerschaft zwischen Cham und Zele war in zweifacher Hinsicht weit. Zum einen weil beide Städte ca. 780 km voneinander entfernt liegen, zum anderen, weil bereits 1973 erste private Kontakte zu der Gemeinde in der belgischen Region Ostflandern geknüpft worden waren. Die Initiative ging damals von den Maristenbrüdern aus, die in beiden Städten Schulen unterhielten und vor 37 Jahren den 5. Europakongress ehemaliger Maristenschüler in Zele ausrichteten. Damals entwickelten sich viele freundschaftliche Bande, die bis heute Bestand haben und von beiden Seiten intensiv gepflegt werden. Aber es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Zeit reif war und im August 2010 endlich die erste offizielle Delegation aus Belgien ihren Fuß in die Stadt am Regenbogen setzen. Dieser Besuch im Sommer war als erstes Kennenlernen und Arbeitstreffen gedacht, um den eigentlichen Festakt zur offiziellen Besiegelung der Städtepartnerschaft vorzubereiten. Und eben dieser Festakt war für letztes Wochenende in Zele selber angesetzt.
Nach dem Einchecken im Hotel in Lokeren passierte der Bus nach knapp zwölfstündiger Fahrt die Gemeindegrenze Zele, das die Chamer im sanften Licht der Abenddämmerung erwartete. Ziel war das Zentrum für Erwachsenen-Unterricht, wo sich bereits ein großes Empfangskomitee eingefunden hatte, um die Gäste zu begrüßen. Allen voran der „Belleman van Zele“, eine Art Ausrufer im historischen Gewand, der die Ankunft der Chamer originell und charmant „einläutete“. Auch Bürgermeister Patrick Poppe und seine Verwaltung waren zur Stelle und begrüßten ihre Gäste aufs Herzlichste. Und weil die Liebe immer auch
ein wenig durch den Magen geht, wurden die Gäste am ersten Abend ausführlich
und mehrgängig in die regionale Küche eingeweiht. Inklusive einer kleinen
Einführung in die Vielfalt belgischer Biere und köstlicher Schoko-Pralinen... Gezaubert hatten dieses
Verwöhn-Menü junge angehende Köche, die in dem Zentrum eine Ausbildung oder
Umschulung absolvieren, und für ihre kulinarischen Künste von den bayerischen
Genießern mit Lob überhäuft wurden. Am Ende eines langen Abends waren zwei Regionen, die auf der Landkarte hunderte von Kilometern voneinander entfernt liegen, sich zwischenmenschlich um einiges näher gekommen. Selbst die sprachlichen Barrieren waren überwindbar, zumal viele Begriffe aus dem Flämischen den entsprechenden deutschen Begriffen recht ähnlich sind. Und wenn Not am Mann war, fanden sich immer hilfsbereite Übersetzer. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ allerdings die herzliche Gastfreundschaft der Flamen, die den Chamern das Gefühl vermittelte, selbst weit entfernt von der Heimat „zuhause bei Freunden“ zu sein. |








