In Cham bot das Rathaus die nötigen Voraussetzungen, womit der Grundstein für das heutige Stadtarchiv gelegt wurde. Aber nicht nur die städtischen Papiere gelangten dorthin, sondern auch wichtige Verträge vieler Privatleute aus dem weiten Umland. Auf diese Weise wuchs der Urkundenbestand auf insgesamt 1118 Stück, wobei das älteste Dokument aus dem Jahr 1258 stammt, während das jüngste 1847 abgefasst wurde.
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| Siegel mit dem Stadtwappen von 1395. (Foto: Stadtarchiv Cham) |
Allerdings ist aus dieser frühen Phase kaum etwas erhalten geblieben. Schuld daran ist der verheerende Stadtbrand vom 30. Oktober 1657. Damals wurde in wenigen Stunden fast die gesamte Stadt ein Raub der Flammen. Allein die Urkunden überlebten unversehrt in einem feuersicheren Gewölbe des Rathauses. Auch bei späteren Katastrophen, wie der Brandschatzung durch die Panduren 1742, gingen Dokumente verloren.
Die Archivräume im Rathaus boten zwar den wertvollen Unterlagen einen gewissen Schutz, brachten aber Nachteile für die Bediensteten. Im Winter 1842 weigerte sich der Stadtschreiber die Registratur neu zu ordnen, weil es dort extrem kalt und frostig war. Ein Arzt kam zu dem gleichen Ergebnis und empfahl, sich nicht länger als eine viertel Stunde in diesen Räumlichkeiten aufzuhalten, um die Gesundheit nicht zu gefährden.
Als die Urkunden und alten Dokumente im 19. Jahrhundert ihre rechtliche Bedeutung allmählich verloren, wurden sie als Zeugnisse der Vergangenheit verstärkt von den Historikern und Heimatforschern entdeckt. Das Interesse der Forschung und eine bessere Sicherung gaben 1878 den Ausschlag, die wertvollen Chamer Urkunden im Staatsarchiv Amberg zu hinterlegen. Erst der Umzug des Archivs in das ehemalige Spitalgebäude 1976/77 ermöglichte später deren Rückkehr.
Seit dem Bestehen dieser Einrichtung gab es immer wieder Zeiten der großen Aufmerksamkeit, aber auch Jahre, in denen sie komplett in Vergessenheit geriet. Nach der Ablieferung der Urkunden begann für das Archiv eine Art "Dornröschenschlaf", aus dem es erst 1905 wieder geweckt wurde. Damals stieß der Heimatforscher Johann Brunner in einer Fachzeitschrift auf einen Artikel, der von alten Akten und Amtsbüchern im Chamer Rathaus berichtete. Aufgrund dieses Hinweises wurden zwei große Holzschränke im Flur des Rathauses geöffnet. Bisher hatte man ihnen keine Beachtung geschenkt und der Stadtschreiber meinte sogar, dass deren Inhalt zum Altpapier gehören würde. Als man aber die dicke Staubschicht und unzählige Spinnweben entfernt hatte, kamen Archivalien zum Vorschein, die teilweise bis in das 16. Jahrhundert zurückgingen. Damit waren die wertvollen Dokumente wieder mehr in das Bewusstsein der Chamer gerückt und nicht wenige traten für eine bessere Unterbringung und Erschließung des Archivs ein. Leider folgten den guten Vorsätzen keine Taten. Erst als 1923 Johann Brunner den Verkauf von Archivalien als Altpapier entdeckte, schaltete sich die staatliche Archivverwaltung ein. Zunächst wurden die älteren Akten nach München gebracht, um sie im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu ordnen und zu erschließen. Eigene Räume für Archiv und Registratur wurden schließlich 1937 durch den Rathausumbau möglich.
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| Sammlung von Altpapier 1944 (Foto: Wald-Zeitung vom 10.06.1944) |
Während des Zweiten Weltkriegs waren die ältesten Akten und Amtsbücher im ehemaligen Mädchenschulhaus ausgelagert und scheinen dort den Krieg ohne größere Schäden überstanden zu haben. Nach ihrer Rückkehr ins Rathaus traten in den folgenden Jahren neue Probleme auf. Wegen der beengten räumlichen Verhältnisse mussten sich die wertvollen und unersetzbaren Dokumente ihre Unterkunft mit Büromaschinen, Wahlurnen und Putzmitteln teilen. Man konnte also eher von einer Rumpelkammer als von einer Schatzkammer der Chamer Geschichte sprechen. Da solche Zustände auf Dauer nicht tragbar waren, wurde 1968 eine bessere Unterbringung im ehemaligen Diermeier-Haus in Aussicht gestellt, das sich neben dem Rathaus befand. Weil sich die Umsetzung immer mehr verzögerte, wurden 1974 auch Räume im ehemaligen Knabenschulhaus an der Ludwigstraße in Erwägung gezogen. Schließlich entschied man sich 1975 endgültig für das Spitalgebäude. Nach weiteren zwei Jahren waren die vorgesehenen Räumlichkeiten bezugsfertig. Als im März 1978 das Archiv erstmals hauptamtlich besetzt wurde, konnte mit dem Auszug aus dem Rathaus begonnen werden.
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| (Foto: Stadtarchiv Cham) |
Ein bedeutendes Ereignis war 1981 die Rückkehr von 1076 wertvollen Chamer Urkunden, die 103 Jahre lang im Staatsarchiv Amberg deponiert waren. Größere räumliche und technische Verbesserungen waren wieder in den neunziger Jahren möglich. Seit 1994 wird das Stadtarchiv von einem Facharchivar betreut und mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung erschlossen. Durch den Einsatz des Computers können die meisten Anfragen der Benützer rascher und umfassender beantwortet werden. Ein wichtiger Schritt zur Sicherung der wertvollsten Archivalien sowie der akut gefährdeten Zeitungsbände war deren Verfilmung auf Mikrofilm, die im Jahr 1995 anlief. Das Archiv leistet vor allem historische Grundlagenarbeit, die zwar nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, aber jedem Benützer unmittelbar zugute kommt. Außerdem werden regelmäßig Themen aus der Stadtgeschichte in Ausstellungen, Vorträgen und Veröffentlichungen vorgestellt.
Timo Bullemer, Stadtarchiv Cham
Verwendete Quellen u. a.:
Stadtarchiv Cham: Akten 4, 321, 1901, 1902, 1903, 1904b.Gsellhofer, Franz Xaver: Das Archivwesen in der Stadt Cham. In: Waldheimat Nr. 5 und Nr. 7 (1972).
Bullemer, Timo: Als die Ratsherren in der Registratur tagten. In: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham (1997 ) Seite 183-193.

